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Interview Stefan Kindermann
Größte Schachschule Deutschlands eröffnet

Im Februar 2006 eröffnet die Münchener Schachakademie, ein in dieser Größenordnung einzigartiges Projekt mit täglichem Trainingsangebot. Vom Einsteiger ohne jegliche Vorkenntnisse bis hin zum erfahrenen Vereinspieler können in München nun alle Altersstufen Schach lernen und trainieren. Große Namen aus der deutschen Schachwelt stehen hinter dem Projekt. GM Stefan Kindermann, einer der erfolgreichsten deutschen Schachgroßmeister, langjähriger Bundesligaspieler und mehrfacher Buchautor, Mitbegründer der Münchener Schachschule, stand Jörg Sommer von der KiSch-Redaktion zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung.
KiSch: Eine Schachschule in München? Wozu braucht man so was? Gibt es in München zu wenig Vereine?
Kindermann: Natürlich nicht. Die Münchner Schachvereine machen eine sehr engagierte Arbeit. Aber allzu oft haben sie nicht das Personal, um optimales Schachtraining anbieten zu können. Genau das bietet unsere Schachschule: Systematisches Aufbautraining mit einem hochqualifizierten Team. In unseren Grundkursen kann man bei Kenntnisstand "Null" (Grundkurs 1) einsteigen um dann über Grundkurs 2 und Mittelstufe 1 bis zu einem Kenntnisstand eines schon recht erfahrenen Spielers aufzusteigen. Anfangs bieten wir diese drei Stufen an, die jedoch nach und nach bis auf sechs Stufen erweitert werden. Dabei baut jede einzelne Lektion und jeder Kurs modular auf dem Vorausgegangenen auf. Der Unterricht ist stets interaktiv, nach jeder Demonstration von neuem Stoff folgt eine kleine Übung bzw. Spiel am Schachbrett des Teilnehmers.
KiSch: Wie sieht das in der Praxis aus?
Kindermann: Wir arbeiten mit vielen anschaulichen Metaphern und Vergleichen, besonders liegt uns auch die allgemeine Vermittlung von Denkstrategien am Herzen, die in allen Bereichen von Planung, Organisation und Management eingesetzt werden können.
KiSch: Sie konzentrieren sich also auf Einsteiger?
Kindermann: Nicht nur. Für fortgeschrittene Spieler bieten wir Kompaktseminare zu Eröffnungs-Mittelspiel und Endspielthemen sowie z.B. Schachpsychologie.
Das Angebot wird durch verschiedene Einzelstunden abgerundet: Eine offene Fragestunde für alle, eine aktuelle Stunde, bei der GM Hertneck oder ich aktuelle Partien aus großen Turnieren erläutern, "betreutes Spielen", bei dem der Trainer den Teilnehmern über die Schulter schaut und Tipps gibt.
Wir möchten also alle Leistungsklassen von "Null" bis hin zum starken Vereinsspieler ansprechen. Wir glauben, dass gerade ein Einstieg mit wirklich fundiertem Trainingsprogramm besonders gute Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.

KiSch: Ab welchem Alter bieten Sie Kurse an?
Kindermann: Das Durchschnitts-Eintstiegsalter bei den Kinder- und Jugendkursen würde ich bei etwa acht Jahren ansetzen, in Einzelfällen ist aber sicher auch Teilnahme für jüngere Kinder möglich. (meine eigene Tochter ist jetzt fünfeinhalb).
KiSch: Wird das angenommen? Wie sind die ersten Rückmeldungen?
Kindermann: Unser Kursprogramm beginnt erst ab dem 20.Februar, es ist also noch zu früh, über die Akzeptanz zu sprechen, bis April sollten wir aber schon einen ersten Überblick haben. Die ersten Reaktionen - und Anmeldungen - belegen aber, dass ein solches Angebot in München bislang vermisst wurde.
KiSch: Haben Sie Vorbilder? Schachschulen mit täglichem Kursangebot gab es ja schon in den ehemals sozialistischen Ländern, z.B. in den Pionierpalästen der Sowjetunion.
Kindermann: Nein, ein konkretes Vorbild haben wir nicht, wir glauben, dass wir in dieser Form und Größenordnung mit täglichem Kursangebot Neuland betreten. Und wir kopieren auch keine Konzepte aus anderen Ländern.
KiSch: Arbeiten Sie mit Vereinen und Schulen zusammen?
Natürlich versuchen wir, möglichst viele Münchner Schulen und Vereine über unser Angebot zu informieren, aber es dauert ein wenig, alle zu erreichen. Die bisherige Medienresonanz mit Bayerischem Fernsehen und Artikeln in der Süddeutschen Zeitung, dem Münchner Merkur, Abendzeitung, TZ ....war sehr gut. Auch habe ich z.B. ein Interview beim Jugendsender Radio Feierwerk gegeben und bei Kinder und Jugendturnieren kleine Show-Veranstaltungen wie Simultanblitz veranstaltet.
KiSch: Die Schachschule München hat eine recht hohe personelle Ausstattung. Wie finanziert sich das?

Kindermann: Eine entscheidende Rolle spielt unser Sponsor, die renommierte Münchner Immobilienfirma Immobilien Krulich mit den Herren Alfred und Roman Krulich, denen ganz besonders die Förderung des Kinder- und Jugendtrainings am Herzen liegt. Ohne das Engagement von Immobilien Krulich wäre unser Projekt kaum möglich gewesen.
KiSch: Und wer genau ist im Team?
Kindermann: Nun, außer mir ist das ztunächst noch Gerald Hertneck. Er ist Schachgroßmeister und IT-Projektleiter. Mehrfacher Nationalspieler (Schacholympiaden und Europameisterschaften). Ehemalige Nummer 50 der Weltrangliste. Ulrich Dirr ist FIDE-Meister mit Bundesligaerfahrung, Grafiker und Typograf sowie Buchautor. Dijana Dengler ist FIDE-Meisterin und Nationalspielerin mit viel Erfahrung im Kinder- und Jugendbereich sowie Diplombetriebswirtin.
Thomas Beckers ist Schachtrainer mit langjähriger Erfahrung im Kinder- und Jugendbereich sowie Dipl-Ing. in Elektrotechnik. Und Šarūnė Lapinskaitė ist mehrfache litauische Meisterin sowie Nationalspielerin. Sie studierte Politikwissenschaften in Wilnius und arbeitet als Journalistin.
KiSch: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Kindermann: Unser Ziel ist natürlich zunächst, möglichst viele Studenten zu bekommen, dafür betreiben wir intensives Marketing. Das erste Ziel ist, soweit zu kommen, dass wir die laufenden Kosten selbst tragen können. Ich hoffe, dass das im Laufe dieses Jahres möglich sein wird. Zusätzlich bieten wir auch originelle Schachevents für Firmen und Organisationen an. Eine recht erfolgreiche Kostprobe haben wir auf unserer Eröffnungsveranstaltung gegeben. Hier gibt es bereits konkrete Nachfrage.
KiSch: Bieten Sie auch Ferntraining für Interessenten außerhalb Münchens an?
Kindermann: Zunächst noch nicht. Wir wollen uns auf ein optimales Programm vor Ort hier in der Münchener Schachschule konzentrieren.
KiSch: Aber es ist geplant?
Kindermann: Es ist eine von vielen Ideen, de in unserem Team entwickelt wurden. Aber was wirklich machbar ist, werden wir Schritt für Schritt ausloten müssen.
KiSch: Sie sind qualifizierter NLP-Master. Spielt das für Ihre Arbeit im Schachtraining eine Rolle? Wie kann NLP einem Schachspieler nützen?
Kindermann: NLP stellt natürlich ein hervorragendes Instrumentarium für alle Trainer zur Verfügung: Wie vermittle ich Inhalte so, dass sie bei den Studenten wirklich ankommen? Darüber hinaus habe ich es eingesetzt, um Denkstrategien aus dem Schach fürs Management einsetzen zu können, über dieses Konzept hat z.B. auch das Handelsblatt schon sehr positiv berichtet. Natürlich bieten wir auch solche Managementseminare an.
KiSch: NLP und Schach - das wäre natürlich ein spannendes Thema, immerhin gibt es an NLP auch eine Menge Kritik aus Fachkreisen. Vielleicht können wir dieses Thema in einem weiteren Interview einmal vertiefen?
Kindermann: Jederzeit gerne. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass es gerade im Bereich des schachlichen Denkens eine Menge interessanter Anknüpfungspunkte gibt.
KiSch: Darauf kommen wir gerne zurück. Für heute danken wir für das aufschlußreiche Gespräch und wünschen Ihrem interessanten Projekt viel Erfolg!
Das Gespräch führte Jörg Sommer. Photos: Juliane Popp.
Kontakt:
Münchener Schachakademie GmbH
Zweibrückenstraße 8/Rgb. (A4)
80331 München
Telefon (0 89) 95 89 43 30
Telefax (0 89) 95 89 43 32
E-Mail allgemein: info@mucschach.de
Reguläres Training von Montag bis Freitag 1521 Uhr
Unsere Räumlichkeiten befinden sich im Innenhof (Rgb. A4)
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