Runde 10
[ud] In Runde 10 ist zum ersten Mal der Panow-Angriff in der Caro-Kann-Verteidigung zu sehen. Die entstehende Zentrumsstruktur ist schon vielfach gespielt und untersucht worden. Solche Strukturen können auch über das Damengambit entstehen und lohnen sich daher zu studieren. Kennzeichnend ist der isolierte d-Bauer des Weißen auf d4. Wie immer in sogenannten Isolani-Stellungen neigt der Bauer vor allem im Endspiel zur Schwäche (er kann ja nicht durch eigene Bauern geschützt werden), auf der anderen Seite kontrolliert er wichtige Zentralfelder und bietet den eigenen Leichtfiguren Stützpunkte auf c5 und/oder e5 an. Gerade im Mittelspiel können sie effektiv zur Angriffsführung eingesetzt werden. Manchmal gelingt es auch, den Isolani-Bauern weiter nach vorn zu schieben, was ihn als Pfahl im Fleische besonders gefährlich macht. (Mehr zu diesem Thema gibt es übrigens dazu in unserem Aufbaukurs Mittelstufe I)
In der Partie entfacht ein interessanter Zentrumskampf, den Weiß nutzt, um den schwarzen Königsflügel zu schwächen. Nach einigen schwierigen Abwicklungen erhält Weiß das leicht bessere Spiel und einen Freibauern auf e5.

Hier ereilt Stefan eine späte Nachwirkung der langen und ermüdenden Partie vom Vortag. Anstelle des starken und logischen Zuges 30. Tc8!, der Weiß den Vorteil belässt: 30. … De6 (30. … f4 31. e6!) 31. Dc2 Td5 (31. … f4? 32. Lh4 D×e5 (32. … g5 33. T×f8†) 33. D×g6† Dg7 34. Df5) 32. f4, hat Stefan einen kompletten black out und spielt 30. Td1?, was nach 30. … f4!, seinen Läufer aussperrt und die Partie im höheren Sinn entscheidet.
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Wie wird Dijana diesen Doppelschlag verkraften? Auch heute wartet mit der griechischen Gegnerin Anna-Maria Botsari eine wertungzahlstärkere Gegnerin und schwierige Aufgabe auf Dijana. Die Italienische Eröffnung ist Thema der Partie. Beide Seiten folgen längere Zeit den theoretischen Empfehlungen. Beide folgen einer Partie, die die Griechin schon 1992 bei der Olympiade in Manila auf dem Brett hatte. Im 16. Zug weicht Dijana zum ersten Mal ab. Im weiteren Verlauf spürt man deutlich die Verunsicherung, die die letzten beiden Partien bei Dijana hinterlassen haben. Statt einer aggressiven Variante wählt Dijana diesmal bewusst eine ganz sichere und ruhige Abwicklung. Eine gute Idee, denn dies bringt allmählich wieder Selbstvertrauen zurück. Und in der Tat erlangt Dijana auf diese Weise einen kleinen aber stabilen Vorteil. Im Ergebnis erhält Weiß einen Mehrbauern, der jedoch nicht einfach zu halten ist (31. g4 wäre ein Versuch gewesen). Bis zur Zeitkontrolle wogt das Schlachtenglück etwas hin und her. Und als sich der Pulverdampf verzogen hat, stellen beide Kontrahentinnen fest, dass keine Seite reelle Gewinnaussichten besitzt: Remis.
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Roman Krulich tritt gegen Singapur mit seiner schärfsten Waffe, der Sizilianischen Verteidigung, an. Sein starker Gegner wählt eine Nebenvariante und lockt Roman auf unbekanntes Territorium. Zum ersten Mal mit diesem Stellungstyp konfrontiert, unterschätzt Roman die weißen Angriffsmöglichkeiten:

Weiß setzt sehr stark mit dem typischen sizilianischen Springeropfer 16. Sd5! fort. Plötzlich stehen fast alle weißen Figuren zum Angriff bereit. Der Turm droht über die dritte Reihe zum Königsflügel zu schwenken, während der Läufer b2 ein Auge auf den verwundbaren Punkt g7 wirft. Roman spielt 16. … Lg5 und hat Glück im Unglück, dass sein Gegner nicht 17. Dh5 oder Dg4, sondern etwas schwächer 17. Tg3 zieht. Aber auch in diesem Fall verliert er zumindest einen Bauern. Was kann Roman unternehmen? Sein Gegner belagert im weiteren Verlauf der Partie noch den geschwächten Bauern d6 mit allen seinen Kräften. Roman muss zum Äußersten greifen und startet einen verzweifelten Gegenangriff. Damit hat der Singapurer Chan Wei-Xuan nicht gerechnet und er beginnt zu schwanken und Zug um Zug schwächere Züge zu machen.

Weiß kann dem schwarzen Druck nicht standhalten und spielt fehlerhaft 28. T1d3?. Jetzt ist die Stunde Romans gekommen. Kaltblütig nutzt er sie!

Mit dem schönen Streich 35. … g5! — mit dem er ein Matt in sieben Zügen ankündigen könnte! — fährt er wie am gestrigen Tag den vollen Punkt ein: 36. f×g6 Df8† 37. Df6 Dh6† 38. Kf5 Dh3† 39. Kf4 D×h2† (39. … Tg4+ 40. f×g4 De3† 41. Kf5 Tf2 matt wäre schneller) 40. Kf5 h×g6† 0—1.
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