Runde 8
[ud] Stefan Kindermann spielt heute gegen den Portugiesen Dias gegen seine eigene Lieblingseröffnung, die Französische Verteidigung. Offensichtlich nicht so gut mit der Eröffnungstheorie vertraut, erlaubt der Nachziehende frühzeitig weiße Initiative am Königsflügel. Stefan rammt den h-Bauern bis nach h6 in die schwarze Flanke. Die einzige Chance des Schwarzen liegt in einer unbedingt geschlossen zu haltenden Position. Stattdessen schlägt er den Bauern auf h6 und lässt damit die weiße Dame mit furchtbarer Kraft auf h5 ein Schach geben. Ein folgendes Scheinopfer auf h7 zertrümmert den Königsflügel vollständig und fesselt den Turm lästig auf f7.

Während Schwarz versucht diese abzuschütteln, kann Weiß seinen Druck weiter verstärken und heimst dabei noch das Rückgrat der schwarzen Bauernkette auf e6 ein (23. D×e6+—). Schon nach 23. Zügen könnte Schwarz aufgeben. Offensichtlich ist der Schwarze leidensfähig und lässt sich Stefans Technik demonstrieren, wofür wir Zuschauer ihm danken. Allein am Ergebnis ändert das nichts.
Durch diesen Erfolg steigt Stefans Turnier-Performance auf stattliche 2638 (+12,0).
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Endlich darf Dijana Dengler wieder mit den weißen Steinen antreten. Gegen die wertungszahlunterlegene Südafrikanerin Melissa Greeff wird natürlich auf den ganzen Punkt gespielt. Die Sizilianische Verteidigung ihrer Gegnerin wird von Dijana mit der Alapin-Variante beantwortet (1. e4 c5 2. c3). Nach einigen Zügen entsteht eine Stellungsstruktur, wie sie sonst eher in der Französischen Verteidigung (Vorstoßvariante) vorkommt. Obwohl die Eröffnungsphase noch nicht abgeschlossen ist, hat sich die Lage auf dem Brett bereits sehr angespannt:

Schwarz hat gerade den scheinbar normalen Entwicklungszug 15. … Ld7 gezogen, da trifft sie der Kombinationshammer von Dijana mit ganzer Wucht: 16. S×d5!! Was soll denn das?, denkt sich die Nachziehende, es droht doch gar nichts! Die Figur lasse ich mir schmecken, 16. … e×d5. Dann der nächste Schlag: 17. e6!! f×e6 und der nächste: 18. T×c6!!, auch den nimmt die ahnungslose Gegnerin 18. … L×c6 und denkt sich vermutlich, die arme Anziehende ist leicht verrückt geworden … Dijana vollendet ihre Idee mit dem Springerzug 19. Se5, ihre Gegnerin verhindert das offensichtliche Schachgebot auf h5 mittels 19. … g6, wonach die folgende Stellung entsteht:

Einen ganzen Turm hat sie geopfert — Genie oder Wahnsinn? Genie!!
Aber wie in einer schlimmen griechischen Tragödie, einem nicht enden wollenden Alptraum passiert das Unvorstellbare, das Unfassbare. Statt den Schönheitspreis für die Kombination des Jahres zu gewinnen, stürzt Dijana, die Göttin der Jagd, in einen fürchterlichen Abgrund. Sie schlägt prosaisch mit dem Springer die Figur auf c6. Nach dem folgerichtigen 20. Dg4! hätte es keine Verteidigung mehr gegeben. 20. … Ld7 scheitert an 21. Df3 Le7 22. L×e7 K×e7 23. Df7† Kd6 nebst Matt auf d7, während 20. … Dc7 mit 21. D×e6† widerlegt wird: 21. … Le7 22. L×g6†! h×g6 23. L×e7 D×e7 24. D×c6† Kf8 (24. ... Kd8 25. D×a8† Kc7 26. Da7†) 25. S×g6†, und alles ist aus.
Das Drama will jedoch kein Ende nehmen, denn die Stellung ist selbst nach dem Springerzug immer noch vorteilhaft für Weiß. Eine weitere Gelegenheit lässt Dijana vorbeiziehen (23. Lc1!), aber sie spielt wie entfesselt weiter und opfert schon wieder eine Figur! Aber im 27. Zug muss sie unbedingt Tc1 spielen, dann behält sie das Heft in der Hand. Von den vielen fantastischen Opfern sichtlich erschöpft, zollt Dijana jetzt leider Tribut und muss auch noch stundenlang mitansehen, bis ihre Gegnerin diesen unverdienten Punkt ganz wegschnappt. Was für ein Unglück!
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Roman Krulich darf heute seine Wunden vom Vortag lecken und nimmt einen Ruhetag.
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