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Runde 6

[ud] Am heutigen Mittwoch wird es sich zeigen, ob Österreich den Anschluss in die obere Hälfte halten kann. Das wird nicht einfach sein, denn die Ägypter haben an den beiden ersten Bretter wertungszahlstärkere Spieler aufgeboten. Stefans Gegner spielt den sogenannten Königsindischen Angriff, der eigentlich keine Probleme darstellen sollte. Der schwarze Aufbau erscheint sehr harmonisch. Schon nach wenigen Zügen sind alle schwarzen Figuren entwickelt — aber auch Weiß scheint sehr entschlossen und weicht keinen Komplikationen aus. Schon im frühen Mittelspiel entsteht eine äußerst angespannte Lage, es wird sich zeigen, wer das bessere Ende behält. Nach wilden taktischen Verwicklungen kann Stefan mit einem starken Qualitätsopfer die Initiative an sich reißen und einen gefährlichen Freibauern auf der c-Linie bilden (vielleicht hätte der Anziehende mit 26. T×d4 und Rückgabe der Qualität noch Rettungschancen gehabt). Mit der gnadenlos tickenden Uhr gegen sich verliert der ägyptische Großmeister den Überblick und findet keine Verteidigung mehr gegen den Freibauern, der schon im Begriff ist, die Königinnenkrone aufzusetzen. Bravo!

Stellung nach 22. Db3

In dieser Stellung opfert Stefan Kinderman mit 22. … S×d4! die Qualität und kann im weiteren Verlauf den c-Bauern unwiderstehlich stark werden lassen.

Auch Dijana Dengler muss sich mit einer Form des Königsindischen Angriffs auseinandersetzen. Dijana spielt ein aktives System dagegen, im achten Zug macht sie einen etwas vorsichtigen Zug (8. …h6; 8. … Lc5 9. Sbd2 0-0 10. h3 Lh5 11. Sc4 Te8 wäre die Hauptvariante), der aber auch gut spielbar ist. Beide Spielerinnen gehen sehr vorsichtig zu Werke, bis Dijana als Erste mit einem Damenausfall nach b4 aktiv wird. Es folgt eine lange taktische Abwicklung, in der die Anziehende zwar einen Bauern gewinnt, Dijana jedoch genügend Kompensation dafür erhält. Die nominell schwächere Gegnerin versucht mit Bauerngewinndrohungen, Dijana zu Remisabwicklungen zu zwingen, sie weicht jedoch geschickt aus und sucht den verwickelten Kampf, in dem die Gegnerin straucheln soll. Alles läuft in Dijanas Sinn, erwartungsgemäß schleichen sich leichte Ungenauigkeiten bei Weiß ein, sodass Schwarz im entstehenden Endspiel leichte Vorteile besitzt. Vielleicht hätte sie im 37. Zug …Kg6 versuchen sollen, denn nach der erfolgten Abwicklung kann die finnische Gegnerin mit genauem Spiel das Gleichgewicht wahren: Remis.

Roman Krulich wird mit der aggressiven Skandinavischen Verteidigung konfrontiert, auf die er harmlose Nebenvariante wählt. Im zehnten Zug verlässt Weiß die bekannten Theoriepfade und versucht es mit dem Fianchetto seines Königsläufers. Schwarz scheint jedoch die Stellung gut im Griff zu haben, er musste sich schon 2007 damit gegen Babaev verteidigen. Schwarz spielt auf Romans neue Idee etwas sorglos und im 15. Zug hätte Roman dies mit dem überraschenden Springerausfall

Stellung nach 14. ... Sb4

15. Sg5! 15. … L×g2 (15. ... L×c2 16. S×e6! L×d1 17. S×g7† Kf8 18. De5!+—) 16. Dh5!± bestrafen können. Der Springerausfall wäre dann noch zwei Züge später vorteilhaft möglich gewesen. Leider verfolgt Roman eine unselige taktische Idee, die ihm in der Endabrechnung einen Minusbauern einbringt. Dann fängt die große Leidenszeit an, denn der Gegner will jetzt gewinnen und seine eigenen Hoffnungen ruhen in einem Abtausch der verbleibenden Schwerfiguren, wonach ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern Remischancen versprechen würde. Im 34. Zug lässt er eine Möglichkeit aus, seine Figuren besser zu postieren (34. Te1 Kf7 35. Lc8 Td6 36. Tc1 a5 37. Tc7† Kf6 38. a4) und im 38. Zug hätte er vielleicht die Chance nutzen sollen, die Türme zu tauschen (Td7†). Später lässt sein Gegner den Turmtausch zu und damit erhöhen sich die Remischancen. Zu seinem Unglück öffnet Roman dem schwarzen König mit seinem 47. Zug den Zugang zum Königsflügel, womit seine Chance wieder dahinschwinden. Als Krönung dieser unglücklichen Partie verbleibt am Schluss der richtige schwarze Randbauer (mit der gleichen Felderfarbe auf dem Umwandlungsfeld wie der Läufer) und Roman muss sich geschlagen geben. Nun heißt es sich zu sammeln und nach vorne schauen!

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