Runde 4
[ud] In der nächsten Runde muss sich Stefan mit der bei Amateuren beliebten Abtauschvariante der Französischen Verteidigung auseinandersetzen. Wenn Schwarz auf Gewinn spielen will, sollte er Stefans Aufbau folgen! Regel Nr. 1 lautet hier: Asymmetrie. Dabei braucht man keine Angst vor dem Isolani (ein vereinzelter Bauer im Zentrum) haben, denn er bietet als Gegengewicht für eine mögliche Schwäche im Endspiel mehr Kontrolle über zenrale Felder und Stützpunkte für eigene Figuren. Der Turkmene Esenov spielt unternehmungslustig die Fesselung Lg5, worauf Stefan mit einem sehr aggressiven Gegenplan aufwartet und ihn mittels h6 und g5 vor eine schwierige Entscheidung stellt: Zurückweichen und eine schlechtere Stellung in Kauf nehmen oder eine Figur opfern und hoffen, genügend Initiative gegen die geschwächte Königsstellung zu erhalten. Esenov opfert mutig die Figur. Im dreizehnten Zug wartet der Weiße zum ersten Mal mit einem neuen Zug auf. Nach einigen taktischen Verwicklungen erhält Weiß zwar mit drei Bauern für die geopferte Figur ausreichend materielle Kompensation, jedoch Stefan die bessere und mit seiner Mehrfigur aktivere Stellung. Die aktiven schwarzen Figuren sind der weißen Bauernmasse im Mittelspiel deutlich überlegen — erst im Endspiel könnten die weißen Bauern für Schwarz gefährlich werden, aber bis dahin ist noch ein weiter Weg … Im 28. Zug verliert Weiß die Übersicht und erlaubt Stefan eine »petite combinaison« wie Tartakower zu sagen pflegte (siehe Diagramm):

28. ... S×f3! 29. g×f3 L×e3 (oder 29. ... T×e3 30. T×e3 (30. f×g4 T×g3) 30. ... L×e3 31. Te1 Lh3+ 32. Ke2 L×g5—+) 30. f×g4 L×c1 31. T×c1 K×g5 (31. ... Th2) 32. Kg2 K×g4 33. Td1 f5 mit Gewinnstellung.
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Was wird die vierte Runde Dijana Dengler bringen? Heute muss sie gegen die sehr starke Angela Borsuk antreten, die für Israel an den Start geht, die neben ihrem Großmeistertitel für Frauen auch noch den Titel eines Internationalen Meisters der Herren trägt! Dijana spielt auch noch mit Schwarz gegen eine Gegnerin, die fast dreihundert Wertungspunkte besser ist. Dijana hat theoretisch bei dieser Wertungsdifferenz eine Gewinnerwartung von gerade einmal 14,5 Prozent. Ein wahrer Kampf David gegen Goliath!
Dijana bleibt ihrer Eröffnungsvorbereitung treu und spielt die Repertoire-Empfehlung der Münchener Schachakademie: Slawisch mit a6 (auch Chebanenko-Slawisch oder das Chamäleon genannt). Angela Borsuk spielt eine Mischung von 4. e3 mit 5. a4 (ohne Sc3). Aber Dijana lässt sich davon nicht durcheinander bringen. Mit einigen »Systemzügen« bringt sie ihren Damenspringer auf das tolle Feld b4. Erwartungsgemäß geht der Favorit sehr aggressiv zu Werke, vielleicht auch um Dijana einzuschüchtern?! Schwarz zeigt sich aber bestens gerüstet und kontert mutig am Damenflügel. Einen Moment ist Dijana unaufmerksam und Weiß könnte mit d5 gefährlich durchbrechen (20. d5! mit der Idee 20. ... c×d5 21. Le3!). Aber die Gegnerin sieht es nicht oder möchte alles im Griff behalten ohne wilde Komplikationen und erst einmal ruhig den Angriff vorbereiten. Diese Chance lässt sich Dijana nicht nehmen und sie baut eine unüberwindliche Verteidigungsstellung auf mit vielen möglichen Gegenschlägen. Statt sich mit einem Minusbauern abzufinden und auf eine neue Chance zu warten, versucht es die Israelin mit der Brechstange. Resultat: Dijana erobert eine Figur! Danach kennt sie keine Gnade und spielt bis zum Schluss mit kräftigen Zügen die Partie nach Hause.

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